Die 8 relevanten Anlageklassen des Kapitalmarktes im Überblick

Diversifikation ist entscheidend. Die dafür wesentlichen Anlageklassen findest du in diesem Beitrag

Der Kapitalmarkt setzt sich aus verschiedenen Anlageklassen (bzw. Assetklassen) zusammen. Eine Anlageklasse besteht aus Vermögenswerten mit ähnlichen Eigenschaften.

Wozu ist die Unterscheidung nützlich?

Die verschiedenen Assetklassen entwickeln sich unterschiedlich und können zur Diversifikation genutzt werden. So ist es denkbar, dass Anleihen steigen, während Aktien fallen und umgekehrt. Durch Kombination der Anlageklassen kannst Du das Rendite-Risiko-Profil Deines Gesamtportfolios verbessern. Das bedeutet:

Mehr Rendite je übernommener Einheit an Risiko (Sharpe-Ratio) – der heilige Gral des Investierens.

Im Folgenden findest du die 8 wesentlichen Anlageklassen des Kapitalmarktes im Überblick.

 

 

 I. Humankapital

Unter Humankapital versteht sich der Wert des für die Zukunft zu erwartenden Arbeitseinkommens. Es stellt für die meisten Privatanleger die wichtigste Anlageklasse dar (daher findet es sich auch in dieser Liste wieder, ohne direkt zum Kapitalmarkt zu gehören). Erst im Alter nimmt seine Bedeutung ab. Umso kurioser ist es, dass das eigene Humankapital bei Anlageentscheidungen oft unbeachtet bleibt.

Drei Faktoren bestimmen den Wert des Humankapitals:

  • Die Sicherheit der zu erwartenden Zahlungsströme
  • Die Höhe des Gehalts
  • Die verbleibende Arbeitszeit

An allen Punkten kannst Du arbeiten. Du kannst Dich beispielsweise weiterbilden (Höhe des Gehalts), auf Deine Gesundheit achten (verbleibende Arbeitszeit) und Dir ein zweites Standbein aufbauen (Sicherheit der zu erwartenden Zahlungsströme).

 

 

II. Aktien

Aktien verbriefen das Recht am Kapital einer Aktiengesellschaft. Das heißt, wenn Du eine Aktie erwirbst, wirst Du Miteigentümer des Unternehmens. Du haftest in Höhe Deiner Einlage. Da Deine Investition als Eigenkapital behandelt wird, wirst Du bei einer Insolvenz nachrangig ausgezahlt.

Aktien lassen sich in zahllose Unterklassen einteilen. Zum Beispiel:

  • Standartwerteaktien (Blue Chips / Large Caps)
  • Nebenwerteaktien (Small Caps)
  • Schwellenländeraktien
  • Value-Aktien

Aktien weisen langfristig die höchste zu erwartende Rendite aller Anlageklassen aus. Dementsprechend hoch ist ihr Risiko.

 

 

III. Anleihen

Bei Anleihen handelt es sich um verzinsliche Wertpapiere. Du erwirbst gegenüber dem Schuldner eine Forderung zur Rückzahlung des Kapitals zuzüglich Zinsen (auch Sonderrechte sind möglich).

Du bist Fremdkapitalgeber. Das bedeutet, Deine Ansprüche werden im Insolvenzfall vor denen der Eigenkapitalgeber (zum Beispiel Aktionäre) bedient. Das zu erwartende Risiko – und damit die Rendite – ist geringer als bei einer Aktienanlage.

Unterklassen sind beispielsweise:

  • Staatsanleihen
  • Unternehmensanleihen
  • Wandelanleihen
  • High-Yield-Anleihen (Hochzinsanleihen)

Entscheidende Risikofaktoren sind:

  • Bonität des Schuldners (hohe Bonität = niedriges Risiko)
  • Laufzeit (kurze Laufzeit = niedriges Risiko)

 

 

IV. Immobilien

Immobilien gehören zu den beliebtesten Anlageobjekten der Deutschen. Die verbreitetste Investitionsform ist die Direktanlage, beispielsweise der Kauf eines Eigenheims. Aus Diversifikationssicht birgt dies die Gefahr des Klumpenrisikos. Der Kauf der eigenen 4 Wände bringt für viele Privatanleger einen derart hohen Kapitaleinsatz mit sich, dass an eine vernünftige Streuung nicht mehr zu denken ist.

Was will ich damit sagen?

Wenn Du die Immobilie als einzig sinnvolles Investment ansiehst, solltest Du Deine Haltung überdenken.

Immobilien haben Vor- und Nachteile und vor allem:

Es gibt abseits der Direktanlage noch andere Wege, um am Immobilienmarkt teilzunehmen. Zum Beispiel über REIT-Indexfonds. Diese bestehen aus einer speziellen Form von Immobilienaktiengesellschaften, welche mindestens 90 Prozent ihres Gewinns an ihre Anleger ausschütten müssen. Der Vorteil:

Du partizipierst an unzähligen Immobilien weltweit und hast so einen positiven Diversifikationsbeitrag für Dein Portfolio. Das Klumpenrisiko ist vom Tisch.

Letztlich musst Du entscheiden, was für Dich schwerer wiegt: Das Lebensgefühl der eigenen 4 Wände oder ein gut diversifiziertes Vermögen.

Die Entscheidung kann Dir niemand abnehmen.

 

 

V. Rohstoffe

Rohstoffanlagen sind für Privatanleger häufig nur über Umwege zu realisieren. Direktinvestments abseits von Gold und Silber scheitern schon an der Lagerhaltung.

Typische Rohstoffe sind beispielsweise:

  • Gold
  • Silber
  • Öl
  • Kaffee
  • Kohle
  • Holz

Ob Rohstoffe als Beimischung zum Portfolio Sinn machen, ist umstritten. Sie werfen keine Erträge ab und weisen inflationsbereinigt keine langfristige Wertsteigerung auf. Von der Fachliteratur werden Rohstoff-Futures als vielversprechendste Anlagevariante angesehen.

Wenn Du bei dem Wort Future nur Fragezeichen aufleuchten siehst, solltest Du eher einen Bogen um Rohstoffe machen (selbst wenn Du Dich damit beschäftigst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass am Ende der Entschluss steht, nicht in Rohstoffe zu investieren).

 

 

VI. Geldmarkt

Oft wird im Zusammenhang mit dem Geldmarkt von einer risikofreien Anlage gesprochen. Genau genommen gibt es so etwas nicht. Besser formuliert müsste es heißen:

Der Geldmarkt ist die risikoärmste Anlageklasse.

Darunter fallen zum Beispiel:

  • Tagesgeldkonten
  • Festgeldkonten
  • Geldmarktfonds

Wenn Du Geld auf Bankkonten „parkst“, solltest Du darauf achten, dass die gesetzliche Einlagensicherung greift. Möchtest Du darüber hinaus Geld möglichst sicher verwahren, eignen sich Staatsanleihen mit höchster Bonität und kurzer Laufzeit (unter 2 Jahren).

 

 

VII. Optionen / Derivate

Optionen sind für die überwältigende Mehrzahl der Privatanleger ungeeignet. Sie sind komplex, schwer zu verstehen und das mit ihnen verbundene Risiko kaum abzuschätzen. Am Ende dürfte in dieser Anlageklasse vor allem einer einen hübschen Gewinn einstreichen:

Der Emittent.

Für Firmen und andere Zielgruppen können Optionen durchaus Sinn machen. Zum Beispiel um das eigene Geschäft gegen Wechselkursschwankungen abzusichern.

 

 

VIII. Gegenstände mit Sammlerwert

Wenn Du besondere Kenntnisse mit

  • Oldtimern
  • Sammlerweinen
  • Whiskeys
  • Seltenen Turnschuhen …

oder anderen Sammlerstücken hast, findest Du hier die richtige Anlageklasse. Als problematisch darf die Illiquidität angesehen werden. Käufer für Sammlerstücke sind rar. Gerade in Krisenzeiten kann das dazu führen, dass Du keine Abnehmer findest und hohe Verluste einfährst.

Zudem stellt sich die Frage der Lagerung und Instandhaltung, was zusätzliche Kosten verursacht. Verlässliche historische Renditedaten zu Oldtimern und Co. sind schwer oder gar nicht zu finden.

 

 

Resümee

Der Diversifikation kommt im Anlageprozess eine zentrale Rolle zu. Wissenschaftliche Studien stellen heraus, dass über 90 Prozent des Anlageerfolgs von der richtigen Streuung abhängen. Du solltest den folgenden Anlageklassen besondere Aufmerksamkeit schenken:

  • Immobilien
  • Aktien
  • Cash (Geldmarkt)
  • Anleihen
  • Humankapital

Investitionen darüber hinaus sind mit Vorsicht zu genießen.

Entscheidend ist für Deinen Anlageerfolg ist, dass Du Klumpenbildungen vermeidest.

Dein Finanzberater
Christoph Geiler

Bildquelle: © Antonio Gravante – fotolia

Kommentare

  1. Finanzielle Freiheit

    Sehr übersichtlicher Artikel, der finde ich v.a. gelungen ist weil er über den Tellerrand der börsengelisteten Instrumente hinaus geht – siehe Humankapital und Immobilien.

    Vielleicht ist auch folgender Artikel zur Anlagepyramide interessant: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/06/23/die-anlagepyramide-konzept-staerken-schwaechen/

    Viele Grüße,
    FF

    17. September 2016 - 9:48

  2. Christoph Geiler

    Hallo FF,

    Dein Artikel passt hier thematisch sehr gut rein. Danke für den Link 🙂

    Herzliche Grüße aus Leipzig
    Christoph

    19. September 2016 - 16:32

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