IDD-Umsetzung: Durchbruch für die Honorarberatung?

Ist die IDD-Umsetzung der Durchbruch für die Honorarberatung

Am 23. Februar 2018 tritt endgültig die neue Vermittlerrichtlinie (IDD) in Kraft. Das lang diskutierte Honorarverbot für Versicherungsmakler ist kurz vor der finalen Fassung gestrichen worden. Die wichtigste Änderung kommt damit für Versicherungsberater:

In Zukunft dürfen sie von Versicherungsgesellschaften verlangen, dass sie in Verträge einkalkulierte Provisionen an die Versicherungsnehmer auskehren…

 

Längst überfällige Stärkung der Honorarberatung

Im Text zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/97 heißt es dazu:

„Wenn der Versicherungsberater dem Versicherungsnehmer eine Versicherung vermittelt, deren Vertragsbestandteil auch Zuwendungen zugunsten desjenigen enthält, der die Versicherung vermittelt, hat er unverzüglich die Auskehrung der Zuwendungen durch das Versicherungsunternehmen an den Versicherungsnehmer nach § 48c Absatz 1 des Versicherungsaufsichtsgesetzes zu veranlassen.“

Aktuell dürfen Versicherungsberater Provisionen weder annehmen noch Versicherungsunternehmen dazu veranlassen, in Verträge einkalkullierte Zuwendungen auszukehren. Mandanten müssen also, wenn der passende Versicherungsvertrag nur als Provisionstarif zu haben ist, sowohl das Honorar für den Versicherungsberater als auch die Provisionen für den Abschluss zahlen. Ab 23. Februar 2018 ist diese Gefahr der Doppelbelastung gebannt.

Honorarberatung ist damit endlich auch von der rechtlichen Stellung her auf Augenhöhe mit der Provisionsberatung.

Darüber hinaus ist bemerkenswert, dass im Gesetz ausdrücklich von Vermittlung durch einen Versicherungsberater gesprochen wird:

vgl.: „Wenn der Versicherungsberater dem Versicherungsnehmer eine Versicherung vermittelt“.

Bisher hieß es dazu nur, dass Versicherungsberater zur Vereinbarung neuer Versicherungsverträge beraten dürfen. Das Wort Vermittlung wurde ausgespart.

In Zukunft können Versicherungsberater ihren Mandanten bedenkenlos die Leistung „Produktvermittlung“ anbieten. Eine weitere rechtliche Grauzone wurde damit beseitigt.

 

Der Verbraucher entscheidet

Lange sollte das neue Gesetz ein Honorarannahmeverbot für Versicherungsvermittler (Makler und Vertreter) beinhalten. Kurz vor knapp wurde dieser Punkt gestrichen. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn geltendes Recht auch konsequent umgesetzt werden würde …

Bereits heute dürfen Versicherungsvermittler nur Honorarvermittlung betreiben. Das bedeutet, dass ihre Honorare an den konkreten Vermittlungserfolg gekoppelt sind. Stellt beispielsweise ein Versicherungsmakler ein Honorar für eine Produktprüfung in Rechnung, entbehrt dies jeder rechtlichen Grundlage. Das Problem:

Entsteht einem Verbraucher durch eine fehlerhafte Produktprüfung ein Schaden, wird die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung des Versicherungsmaklers nicht leisten. Der Makler muss selbst für den Schaden aufkommen. Kann er das nicht, bleibt der Verbraucher auf seinem Schaden sitzen.

Aktuell stellen trotzdem etliche Versicherungsmakler Honorare für Produktprüfungen in Rechnung. Die Folgen, die sich hieraus ergeben, werden sowohl Verbraucher als auch die meisten Makler erst erkennen, wenn es zu Haftungsfällen kommt. Wünschenswert ist also weniger ein Honorarannahmeverbot für Versicherungsmakler, sondern vielmehr die Sicherstellung, dass sich jeder Marktteilnehmer innerhalb seines rechtlichen Rahmens bewegt.

Eine Stärkung der Honorarberatung darüber hinaus bedarf es nicht. Jeder kann und sollte selbst entscheiden, welche Dienstleistung er in Anspruch nimmt und wie er diese vergütet.

 

Provisionsabgabeverbot wird wiederbelebt

Im Zuge des neuen Vermittlerrechts ist das Provisionsabgabeverbot ein großes Thema. In Zukunft wird es Vermittlern wieder ausdrücklich verboten sein, Provisionen an ihre Kunden weiterzugeben. Das soll verhindern, dass Kunden einfach zu dem Vermittler gehen, der die höchste Provisions-Rückerstattung hat.

Größere Auswirkungen erwarte ich vor allem bei FinTechs (digitalen Vermittlern), deren Geschäftsmodell darauf beruht, einen Teil der vereinnahmten Provisionen ihren Kunden wieder auszuschütten. Das wiederbelebte Provisionsabgabeverbot stelltet derartige Unternehmenskonzepte zumindest in Frage.

 

IDD-Umsetzung: Resümee

Ab 23. Februar 2018 dürfen (und müssen) Versicherungsberater Versicherungsgesellschaften dazu veranlassen, Provisionen auszukehren. Dieser Schritt war längst überfällig.

Das Honorarannahmeverbot für Versicherungsvermittler ist vom Tisch, was grundsätzlich zu begrüßen ist. So ist sichergestellt, dass auch Vermittler ihren Kunden transparente Nettopolicen (abschlusskostenfrei) zur Verfügung stellen können. Wünschenswert ist allerdings, dass in Zukunft geltendes Recht umgesetzt wird und Versicherungsvermittler keine Honorarberatung mehr durchführen. Rechtlich zulässig ist für sie seit jeher nur die Honorarvermittlung. Im Falle einer Fehlberatung durch einen Versicherungsmakler (oder Vertreter) kann es ansonsten zu ungedeckten Haftpflichtansprüchen kommen.

Ob die IDD-Umsetzung der große Wurf für die Honorarberatung ist, darf zumindest bezweifelt werden. Entscheidend ist dafür vielmehr ein großflächiges Umdenken unter Verbrauchern. Honorarberatung ist eben kein Kostensparmodell, wie es von vielen angepriesen wird …

Was Honorarberatung wirklich leistet, ist, dass sie dem Berater die Freiheit gibt, unabhängig von Produktabschlüssen zu handeln. Wenn Verbraucher das zu schätzen lernen, dann ist das der große Wurf für die Honorarberatung.

Dein Finanzberatung Christoph Geiler

Autor: Christoph Geiler

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