Nachhaltig Geld anlegen – geht das?

Schafe in den Hügeln Irlands als Zeichen einer nachhaltigen Geldanlage

Ethisch-ökologische Geldanlage ist vermehrt Thema in Beratungsgesprächen. Dahinter steckt die Sorge, dass das investierte Geld in Unternehmen fließt, die Kinderarbeit, Krieg und Klimawandel vorantreiben.

Höchste Zeit also, dass wir uns in diesem Artikel anschauen, warum nachhaltige Geldanlage so schwierig ist.

 

Was ist überhaupt nachhaltige Geldanlage?

Bevor Du Geld nach ethisch-ökologischen Kriterien anlegst, musst Du den Rahmen abstecken. Bereits hier gehen die Vorstellungen auseinander …

Für den einen bedeutet nachhaltige Geldanlage, Kohle und Kernenergie von der Liste in Frage kommender Unternehmen zu streichen. Der andere geht einen Schritt weiter und möchte herkömmliche Automobilhersteller meiden. Einigkeit besteht meist bei der Frage nach Kinderarbeit.

Weitere Felder tun sich auf:

  • Was ist mit Massentierhaltung?
  • Was ist mit Krieg?
  • Was ist mir der kommerziellen Nutzung von Wasser?
  • Was ist mit Gewerben, die Holz verarbeiten?

Holz? Regenwaldabholzung. Da war ja was …

Regenwaldhölzer werden beispielsweise in Musikinstrumenten und im großen Stil in der Zellstoffindustrie zur Papierherstellung verwendet. Auch das Baugewerbe greift nur zu gerne zu.

Was ist also nachhaltige Geldanlage? Diese Frage beantwortet jeder anders. Und vor allem: Hast Du den Rahmen für Dich gesteckt, stellt sich die Frage nach der Umsetzbarkeit.

 

Das Problem mit den grünen Fonds

Die Aufgabe ist klar:

Es gilt einen Fondsmanager zu finden, der Dein Geld nach Deinem Anforderungskatalog anlegt.

Das Problem:

Bei der Aufsetzung seines Fonds kannte der Fondsmanager Deinen Anforderungskatalog nicht. Er bringt bei der Verwaltung des Fondsvermögens vielmehr seine eigenen Vorstellungen und die der Fondsgesellschaft ein. Die Frage ist, ob er dabei auch Deinen Wünschen gerecht wird.

Selbst wenn Du einen Fonds ausfindig machst, dessen Anlagerichtlinien perfekt zu Deinen Wünschen passen, gestaltet sich die Praxis schwierig. Allein Unternehmen Kinderarbeit nachzuweisen, kann für den Fondsmanager eine Herausforderung darstellen. Ein Fondsmanager meinte mal sarkastisch zu mir: „Im Zweifel würfeln wir es eben aus, ob wir in ein Unternehmen investieren …“

Um Fehleinschätzungen zu vermeiden, ist massig Recherchearbeit notwendig und das kostet Geld – und alles, was Geld kostet, schmälert Deinen Ertrag. Durch die Ausklammerung von ganzen Branchen verringert sich zudem die Diversifikation und Dein Portfolio wird anfälliger für Schwankungen.

 

Lohnt sich der Aufwand?

Dass nachhaltige Geldanlage sich in der Praxis schwierig gestaltet, wissen wir. Stellt sich die Frage nach dem Nutzen. Dazu lohnt es sich darüber nachzudenken, was passiert, wenn Du Anleihen oder Aktien erwirbst …

(Alternative Investments wie Direktanlagen in Wälder klammere ich bewusst aus, da sie mit unkalkulierbaren Risiken einhergehen.)

Geld erhält ein Unternehmen an der Börse nur, wenn es neue Aktien herausgibt oder frische Anleihen emittiert. Die meisten ETFs und Assetklassenfonds, die für ein effektives Portfolio in Frage kommen, verzichten darauf, in frisch emittierte Wertpapiere zu investieren. Wird eine Aktie erworben, fließt Dein Geld nicht in das Unternehmen. Dein Geld erhält der Vorbesitzer der Aktie.

Der positive Effekt, den Du durch eine ethisch-ökologische Fondsauswahl erzielst, ist also marginal und beschränkt sich auf die Verwendung der Stimmrechte, die mit dem Erwerb von Aktien einhergehen.

 

Lieber ethisch-ökologisch Leben

Sicher, allein die Teilhabe an den Gewinnen fragwürdiger Geschäftsmodelle ist moralisch schwierig. Hier muss jeder für sich eine Entscheidung treffen.

Nüchtern betrachtet, kannst Du mit Investitionen in „grüne“ Fonds wenig erreichen. Dein Hebel liegt im Alltag. Statt Massenware kannst Du Fleisch vom Bauernhof beziehen. Noch effektiver ist es, Deinen Fleischkonsum insgesamt einzuschränken. Denn klar ist:

Unser aktueller Fleischbedarf kann nicht ausschließlich von idyllischen Bauernhöfen gedeckt werden.

Das Auto ist eine weitere Stellschraube. Alternativen sind öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad und die eigenen Füße. Auch bei unserer Kleidung stellt sich die Frage, wer die eigentlich genäht hat …

Die Liste ist endlos. Darüber nachzudenken wichtig.

Klimawandel, Kinderarbeit, Krieg. Das sind keine abstrakten Begriffe. Das ist Realität. Eine Realität, die sich durch einen nachhaltigen Fonds kaum ändern lässt. Worüber Du nachdenken kannst, wenn Du etwas verändern willst, ist das Verhalten im Alltag. Dann werden sich ökologisch-ethische Geschäftsmodelle von allein durchsetzen.

Wo wir schon beim Thema sind: Bei welcher Bank hast Du eigentlich Dein Girokonto?

Dein Finanzberater
Christoph Geiler

Kommentare

  1. Diversifikator

    Sehr geehrter Herr Geiler, ich stimme Ihnen nur partiell zu. „Dein Geld erhält der Vorbesitzer der Aktie“ ist korrekt. Wenn „nachhaltige“ Unternehmen aber stärker nachgefragt werden als andere Unternehmen, steigen ihre Kurse im Vergleich zu weniger nachhaltigen Unternehmen. Dadurch können sie sich künftig günstiger finanzieren und werden so belohnt. Wenn Anleger nachhaltige Kriterien nicht beachten, obwohl das möglich ist, ist das m.E. schlecht. Ausserdem kann eine nachhaltige Geldanlage sogar Renditenvorteile bzw. Risikosenkungen mit sich bringen, wie viele Untersuchungen zeigen. Meine kostengünstigen und nachhaltigen ETF- und Aktienportfolios, die sich an den inzwischen recht breit verbreiteten MSCI Nachhaltigkeitskriterien orientieren, performen jedenfalls sehr gut. Viele Grüße, Dirk Söhnholz

    23. April 2017 - 9:38

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