Rechtsschutzversicherung: Schritt für Schritt zum individuellen Schutz

Eine Rechtsschutzversicherung kannst du dir je nach individuellem Bedarf zusammenstellen.

Autorin: Maren Pein (Praktikantin)

Kommt Dir eine dieser Situationen bekannt vor?

  • Dein Arbeitgeber steht tobend mit hochrotem Kopf vor Dir. Er beschuldigt Dich den neuen Computer vom Schreibtisch gestoßen zu haben.
  • Dein Vermieter legt Dir schon wieder eine immens hohe Nebenkostenabrechnung vor. Im gleichen Atemzug möchte er die Miete erhöhen.
  • Bei einem Verkehrsunfall kommt Dein Unfallgegner wild gestikulierend auf Dich zu. Er fordert direkt Schadenersatz von Dir, obwohl Dich keine Schuld trifft.

Wie hast Du reagiert, obwohl Du der Ansicht warst, Dir wird in diesem Moment Unrecht getan?

Eine Rechtsschutzversicherung soll Dich dazu ermutigen, den Kopf in solchen Situationen nicht in den Sand zu stecken. Sie schafft Chancengleichheit für Dich und die „Großen“, die einen langjährigen Rechtsstreit finanziell aussitzen könnten.

Beachte: Um die unberechtigte Schadenersatzforderung aus dem Beispiel des Verkehrsunfalls abzuwehren, benötigst Du keine Rechtsschutzversicherung. Hier greift die Rechtsschutzfunktion Deiner Haftpflichtversicherung.

 

Eine Rechtsschutzversicherung lohnt sich für Dich hauptsächlich aus 2 Gründen:

  • Um eigene Ansprüche auf Zahlung von Schadenersatz gegenüber einem Dritten geltend zu machen
  • Um Dich gegen Ungerechtigkeiten durch den Arbeitgeber, Vermieter oder den öffentlichen Behörden zu wehren

Rechtsschutz ist nicht gleich Rechtsschutz. Zumeist werden Pakete angeboten, die bestimmte kombinierte Bausteine anbieten. Im Folgenden werden diese 6 möglichen Bausteine genannt und kurz erläutert. So kannst Du den für Dich passenden Schutz zusammenstellen.

 

I/II Verkehrs- Rechtsschutz und Fahrzeug- Rechtsschutz:

Versichert werden ein, beziehungsweise mehrere Fahrzeuge der Familie. Dadurch stehen die eigenen Familienmitglieder, wie auch alle anderen Insassen unter Versicherungsschutz. Kurz um:

Bei einem Verkehrsunfall erhältst Du (und alle anderen mitversicherten Personen) rechtlichen Beistand, um Schadensersatz für Deinen brandneuen und jetzt zerbeulten PKW, oder Schmerzensgeld für den gebrochenen Arm einzufordern. Dabei ist es nicht wichtig, dass du in Deinem eigenen Auto gesessen, sondern am Straßenverkehr teilgenommen hast. Dies ist auch als Beifahrer, Radfahrer oder Fußgänger der Fall.

Des Weiteren bekommst Du Unterstützung bei einigen Ordnungswidrigkeiten, zum Beispiel dem Überfahren einer roten Ampel, oder dem neu eingetroffenen Schnappschuss des Tages. Voraussetzung:

Der Rechtsbeistand muss Aussicht auf Erfolg haben.

Der Unterschied zwischen Verkehrs- und Fahrzeug-Rechtsschutz: Eine Fahrzeug-Rechtsschutzversicherung kannst Du für fremde Fahrzeuge abschließen, auf die Du nicht selbst zugelassen bist. Zum Beispiel für Deine Mutter oder einen Freund.

 

III Fahrer- Rechtschutz:

Der Fahrer-Rechtsschutz richtet sich gezielt an alle, die selbst noch kein Fahrzeug besitzen. Über ihn können sie die Vorzüge des Verkehrsrechtsschutzes als Beifahrer oder Fußgänger genießen. Sobald Du Dir ein eigenes Gefährt zugelegt hast, wandelt sich der Fahrer- automatisch in einen Verkehrs-Rechtsschutz um.

 

IV Privat-Rechtsschutz

Der wohl für die meisten Leute interessanteste Baustein. Über ihn kannst Du:

  • Schadenersatz und Schmerzensgeld einfordern
  • Und Dich gegen den Vorwurf der Lärmbelästigung nach der letzten Fete wehren.

Ebenfalls unterstützt wirst du bei Steuer-Fragen und Streitigkeiten mit dem Sozialgericht, sobald es zu einem gerichtlichen Verfahren kommt. Dazu zählen auch verweigerte Zahlung der Kranken- oder Rentenkassen.

In allen bisher genannten Bausteinen solltest Du darauf achten, dass ein Straf-Rechtsschutz enthalten ist. Wirst Du von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, eine Straftat ohne Vorsatz begangen zu haben, stehst Du nicht allein im Regen. Diese Anschuldigung kann Dich gerade nach einem Verkehrsunfall schnell treffen. Zum Beispiel als Körperverletzung, wenn sich der in den Unfall verwickelte Radfahrer die Hand gebrochen hat.

 

V Berufs-Rechtsschutz

In dem anfänglich genannten Beispiel mit Deinem Arbeitgeber wird Deine Haftpflichtversicherung für den Schaden nicht aufkommen, denn es handelt sich um eine Privat-Haftpflicht und ist somit nicht Teil Deines Berufslebens. In diesen Fällen greift der Berufs-Rechtsschutz. Alle Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber werden hier abgedeckt. Als Beamter zählen auch Disziplinarverfahren dazu, die Deine weitere Karriere beeinträchtigen könnten.

 

Last but not least:

VI Wohnungs- und Grundstücks-Rechtsschutz

Dieser ist insbesondere für Probleme aus Mietverhältnissen gedacht. Auch wenn Du bereits ein eigenes Haus besitzen solltest, bekommst Du rechtlichen Beistand bei Uneinigkeiten mit dem Nachbarn oder der Straßenreinigung.

 

Fazit

Ob Du eine Rechtsschutzversicherung abschließt und welche Bausteine darin enthalten sind, ist immer Deine eigene Entscheidung. Überlege Dir vorab, ob sich eine Versicherung für Dich lohnt und was darin abgedeckt sein soll. Zudem solltest Du darauf achten, dass Deine Familie in den Versicherungsschutz eingeschlossen ist. Ansonsten läufst Du Gefahr, dass Dein Spross in einen Unfall gerät und sich trotz bestehendem Rechtsschutz nicht wehren kann.

Gut zu wissen: Viele Versicherer bieten eine Anwaltshotline an, die bei Fragen eine sofortige Rechtsauskunft ermöglicht.

Deine Finanzberatung
Christoph Geiler

Autorin: Maren Pein (Praktikantin)

Blidquelle: © Paul Hill – Fotolia.com

Kommentare

  1. Torsten

    Hallo Ihr Zwei!
    Eine nützliche Zusatzinformationen zum Rechtsschutz-ABC:
    Darauf achten, dass auch außergerichtliche Widerspruchsverfahren (Sozialrecht wie Krankenkasse oder Sozialamt) versichert sind und der Spezial-Strafrechtsschutz für alle Strafverfahren!
    Danke für Euren Artikel!
    Torsten

    26. März 2017 - 9:31

  2. Clara

    Ich halte einen Rechtsschutz auch für äußerst sinnvoll. Vor allem der mentale Wert ist immens.

    20. April 2017 - 8:38

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