Niedrige Zinsen: Warum Du mit ordentlich Dampf auf dem Kessel sparen solltest

Mit Volldampf durch Zeiten niedriger Zinsen: Wütendem Mann kommt Qualm aus den Ohren

Dass wir Deutschen in Geldfragen zu Sicherheit neigen, ist hinlänglich bekannt. Nicht umsonst stehen nach wie vor Anlageformen wie Kapitallebensversicherungen, Sparbücher und Bausparverträge hoch im Kurs.

In Zahlen:

  • 44 Prozent der Deutschen besitzen ein Sparbuch
  • 34 Prozent besitzen eine Lebensversicherung oder private Rentenversicherung
  • 31 Prozent besitzen einen Bausparvertrag
  • 18 Prozent besitzen Festgeld bzw. Termingeld

Quelle: Statista

Das Problem:

Eben jene Anlageformen werden durch die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken scheinbar immer unattraktiver. Der Garantiezins in der Lebensversicherung beträgt aktuell magere 1,25 Prozent. 2017 soll er auf 0,9 Prozent sinken.

Garantiert wird die Verzinsung auf die Sparbeiträge. Die Sparbeiträge sind das, was von Deiner Prämie nach Abzug aller Kosten übrig bleibt.

Die Zinsen der Sparbücher liegen ohnehin am Boden. Das bedeutet, dass es kaum einen Unterschied macht, ob Du Dein Geld unters Kopfkissen packst, oder zur Bank respektive Versicherung bringst.

 

Sicherheit neu denken

Die Garantieverzinsung in den Beständen der Lebensversicherer liegt im Durchschnitt bei etwa 3 Prozent. Dabei sind sie gesetzlich verpflichtet, einen Großteil ihrer Anlagen in „sichere“ Staatsanleihen zu tätigen. Selbst bei positivster Auslegung sind damit nur noch rund 1 Prozent Zinsen pro Jahr zu erwirtschaften. Um zu erkennen, dass zwischen 3 Prozent und 1 Prozent eine erhebliche Lücke klafft, bedarf es keiner besonderen Fähigkeiten.

Die Lebensversicherer haben ein Problem. Die garantierte Verzinsung über alle Bestände hinweg, übersteigt die am Markt zu erwirtschaftenden Zinsen bei weitem.

Was bedeutet also Sicherheit? Ist es sicher, sein Geld Geschäftsmodellen anzuvertrauen, deren Tragfähigkeit fragwürdig erscheint? Oder ist es sicherer, sein Geld in Produktivkapital zu investieren, über das man jederzeit verfügen kann? Fragen, über die es lohnt, nachzudenken.

 

Was ist die Konsequenz?

Sparanlagen verzinsen sich nicht mehr. Soweit so gut, aber was ist die Schlussfolgerung?

Drei mögliche Wege gibt es:

1. Du reduzierst Deine Sparbemühungen
2. Du erhöhst Deine Sparbemühungen
3. Du denkst über Alternativen nach

Weg 1 bedeutet Resignation. Er garantiert Dir, dass Du keinen Erfolg bei Deinem Vermögensaufbau haben wirst und macht Dich spätestens im Alter abhängig vom Sozialstaat.

Und Weg 2? Wenn Du einfach mehr sparst, vergibst Du eine riesige Chance. Die Chance, Dein bisheriges Anlageverhalten von Grund auf zu überdenken – aber zumindest gibt er Dir die Möglichkeit, allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreich Vermögen aufzubauen.

Weg 3 – über Alternativen nachzudenken – ist der attraktivste.  Sparbücher, Lebensversicherungen und Bausparverträge waren noch nie geeignet, um sinnvoll Geld anzulegen.

Bisher haben wir nur über nominelle Zinsen gesprochen. Uns interessieren aber die Realzinsen – also das, was nach Abzug der Inflation übrigbleibt. Das Zinsniveau orientiert sich seit jeher zu einem Großteil an der Inflationsrate. Es gilt:

  • Hohe Inflation = hohe Zinsen
  • Niedrige Inflation = niedrige Zinsen

Bei einer Inflationsrate von aktuell nahe Null ist es kaum verwunderlich, dass sich auch die Zinsen in diesem Bereich bewegen. Was in der Tat außergewöhnlich ist, sind Negativzinsen, welche es derzeit auf einige Staatsanleihen gibt.

Ein Sparbuch, das bei einer Inflationsrate von 0 Prozent 0 Prozent Zinsen verspricht, ist ebenso (un)attraktiv, wie ein Sparbuch, das bei 3 Prozent Inflation 3 Prozent Zinsen verspricht.

 

Die Alternativen

Ohne Produktivkapital ist effektive Vermögensbildung nicht möglich.

Wohlstand entsteht, weil Menschen Tag für Tag arbeiten gehen und Mehrwert schaffen. Rohstoffe werden dem Boden abgetrotzt und weiterverarbeitet. Aus einfachem Eisen entstehen Werkzeuge. Mit Werkzeugen werden Autos und Häuser gebaut oder Nahrung angebaut und geerntet. An all diesen Wertschöpfungsketten kannst Du über Aktien teilhaben.

Investiere dabei nicht Dein gesamtes Kapital in Aktien. Ruhiger Schlaf ist wichtiger, als maximale Rendite. Anleihen, Festgeld, Tagesgeld und Bargeld können als Risikopuffer dienen. Immobilien gestalten Deinen Vermögensmix noch robuster, wenn Du dabei einige Stolpersteine beachtest.

 

 

Versicherungen meist nur zweite Wahl

Du kannst auch innerhalb eines Versicherungsmantels in Aktien und Immobilien investieren. Basis-Rente, Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge locken mit Steuervorteilen. Hier ist Vorsicht geboten, wie ich in meinem Artikel Wie Dich die Beitragsgarantie in Riester und Co. finanziell ruiniert gezeigt habe. Vermeintliche Steuervorteile können blind für die Nachteile eines Produktes machen.

Als Faustregel kann man sagen:

Ein Vertrag sollte sich auch ohne Steuervorteile einigermaßen lohnen.

Resümee

Du hast verschiedene Möglichkeiten, auf die Niedrigzinsphase zu reagieren. Die schlechteste ist, den Kopf in den Sand zu stecken. Besser ist, Du nimmst die widrigen Umstände zum Anlass, Deine Anlagestrategie von Grund auf zu überdenken.

Produktivkapital wie Aktien und Immobilien sind seit jeher attraktiver als Lebensversicherungen und Bausparverträge. Wenn Du dann noch darauf achtest, Dich auf einem Risikoniveau zu bewegen, welches Dich ruhig schlafen lässt, hast Du den Grundstein für einen erfolgreichen Vermögensaufbau gelegt.

Dein Finanzberater
Christoph Geiler

Bildquelle: © rangizzz – fotolia

Rational beim Immobilienkauf?

Gefühle beim Immobilienkauf: Eine Schaukel - auf der linken Seite ist eine Geldberg und auf der anderen ein Haus

In Deutschland gilt die Immobilie gemeinhin als die ideale Altersvorsorge. Sie ist der Fels in der Brandung, wo alle anderen Küstenabschnitte bereits überschwemmt sind – oder um es ein bisschen weniger poetisch auszudrücken:

Die Immobilie vereint Sicherheit und Ertrag in Perfektion.

Das könnte man zumindest meinen, wenn man von dem einen oder anderem Stammtisch nach Hause kommt …

 

Die Realität ist deutlich differenzierter. Eine Immobilie kann ein gutes Investment sein, muss es aber nicht. Vor allem eines wichtig:

Lass Dich nicht von Deinen Gefühlen überwältigen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Geldanlagen kannst Du Immobilien anfassen. Du projizierst Hoffnungen und Ängste in Dein zukünftiges zu Hause. Gerade bei den eigenen vier Wänden passiert es schnell, dass jeder kaufmännische Gedanke zusammen mit der Garderobe an der Eingangstür abgelegt wird.

Du stellst Dir vor, wie Deine Kinder den Flur entlang rennen und Du und Deine Freunde einen schönen Grillabend im Garten verbringen. Weniger Gedanken verschwendest Du an Arbeiten, um das Grundstück in Schuss zu halten, die gestiegenen Fahrtkosten, weil das Haus etwas außerhalb liegt und die Hypothek, die Dich die nächsten Jahrzehnte begleitet.

Hier gibt es nur einen Rat: Gefühle ausschalten und Bleistift ansetzen.

Wenn der Eigentümer merkt, dass Du um jeden Preis kaufen möchtest, wirst Du diesen Preis auch zahlen müssen. Bei wenigen Investments ist rationales Handeln so wichtig wie bei Immobilien. Sie bilden ein einzigartiges Klumpenrisiko. Geht etwas schief, steht oft das gesamte finanzielle Fundament vor dem Einsturz. Das gilt es, unter allen Umständen zu vermeiden.

Dafür musst Du vor allem eines können: Nein sagen.

Du musst Dein Traumhaus links liegen lassen, wenn es zu teuer ist. Nichts ist schlimmer als nachts wach zu liegen, weil die Hypothek Dich bis in Deine Träume verfolgt.

Stell Dir die Frage: Wie viel Haus kann und will ich mir leisten? bevor Du Dich auf die Suche machst und streiche alle Objekte, die den Rahmen sprengen.

Lass in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einer Immobilie immer alle Kosten einfließen. Zum Beispiel:

  • Höhere Fahrtkosten, wenn das Objekt etwas außerhalb liegt
  • Instandhaltungskosten
  • Versicherungskosten
  • Hausgeld
  • Kaufnebenkosten

Und vor allem anderen: Schau, ob Du Dir die Finanzierung nach Ende der Zinsbindungsfrist noch leisten kannst, sollten die Zinsen deutlich anziehen. So schaffst Du Dir eine solide Entscheidungsbasis. An dieser Stelle möchte ich Dir meinen Artikel:

Tilgungs-Pradoxon: Wie der Niedrigzins Baufinanzierungen ins Wanken bringt ans Herz legen. Darin gehe ich auf die Besonderheiten ein, die die aktuelle Niedrigzinsphase mit sich bringt.

 

 

Alternativen prüfen

Neben dem Klumpenrisiko, das einzelne Immobilien mit sich bringen, haben sie einen weiteren Nachteil:

Sie sind illiquide.

Wenn Du Deine Immobilie (aus welchem Grund auch immer) zu einem fairen Preis verkaufen möchtest, kann das ein Jahr und mehr in Anspruch nehmen.

Wenn Du diese beiden Nachteile vermeiden willst und Dich auch mit einem Leben als Mieter anfreunden kannst, gibt es Alternativen. Sogenannte REIT-Indexfonds bieten die Möglichkeit, breit gestreut in den Immobilienmarkt zu investieren.

REITs sind Immobilienaktiengesellschaften, welche dazu verpflichtet sind, 90 Prozent ihres Jahresgewinns an ihre Aktionäre auszuschütten. Halten sich REITs an verschiedene Regeln, sind die Gewinne auf Unternehmensebene steuerfrei.

Mit einem REIT-Indexfond investierst Du in viele verschiedene dieser Immobilienaktiengesellschaften. Diese Form des Investments

  • ist kostengünstig
  • beinhaltet kein Klumpenrisiko
  • kann börsentäglich veräußert werden
  • erfordert geringen Verwaltungsaufwand

 

Fazit

Selbstbewohnte Immobilien sind immer beides:

  • Luxusgut

Und

  • Investment

Die Kunst ist es, beides bestmöglich unter einen Hut zu bringen. Dafür gilt es genau nachzurechnen und Risiken abzuwägen. So können Stolpersteine auf dem Weg zu den eigenen Wänden frühzeitig aus dem Weg geräumt werden. Das Wichtigste dabei ist, Gefühle möglichst auszublenden.

Für alle, die sich auch mit einem Leben als Mieter anfreunden können, sind REIT-Indexfonds einen Blick wert.

Dein Finanzberater
Christoph Geiler

Bildquelle: © pogonici – fotolia