Wechselkursschwankungen und ihre Auswirkungen auf ein Weltportfolio

Wechselkurschwankungen haben kurzfristig starke Auswirkungen auf ein Portfolio. Die langfristigen Folgen sind allerdings gering.

Wenn Du auf ein weltweit diversifiziertes Portfolio setzt, wurdest Du in den letzten Monaten vermutlich mit leicht rückläufigen Kursen konfrontiert. Eine einfache Erklärung dafür wäre eine schwache Entwicklung der Aktienmärkte. Das stimmt allerdings nur mit Blick auf unsere heimischen Aktiengesellschaften. Richtest Du Deinen Blick über den großen Teich und in die Schwellenländer, stellst Du fest, dass sich die Renditen der vergangenen Monate sehen lassen können.

Die schwachen Renditen in unseren Depots haben eine andere Ursache …

 

 

Die negativen Auswirkungen der Euroaufwertung auf ein Weltportfolio

Im MSCI World Index sind über 1600 große börsennotierte Unternehmen aus 23 Industrieländern vertreten. Er ist damit ein guter Indikator für die Wertentwicklung der Aktienmärkte der Industrienationen.

Produkte wie der iShares Core MSCI World UCITS ETF – USD Acc, die dem MSCI World Index folgen, konnten in den letzten zwölf Monaten ein ordentliches Plus erwirtschaften, wie aus dem folgenden 1-Jahres-Chart hervorgeht:

Wertentwicklung: iShares Core MSCI World ETF USD - Stand: 20.09.2017

Schauen wir auf die letzten 3 Monate, können wir immer noch ein Plus von 3,91 Prozent verbuchen.

Richten wir unseren Blick auf den Amundi ETF MSCI World UCITS ETF – EUR Acc, der ebenfalls dem MSCI World Index folgt, wandelt sich das Bild:

Wertentwicklung: Amundi MSCI World ETF - EUR Acc

Schauen wir uns wieder die letzten drei Monate an, musste der ETF von Amundi im Gegensatz zu seinem Schwesterprodukt von iShares ein Minus von 2,68 Prozent verbuchen. Das ist ein Unterschied von gut 6,5 Prozent. Auf Jahressicht haben wir zwar ebenfalls grüne Zahlen, aber der Unterschied zwischen den beiden Produkten bleibt bestehen …

Auschlaggebend ist nicht etwa ein schlechtes Fondsmanagement, sondern schlicht die Währung. Der Amundi ETF ist in Euro aufgelegt und der iShares ETF in US-Dollar.

Der Euro hat in den letzten Monaten deutlich gegenüber dem Dollar aufgewertet, wie folgender Chart verdeutlicht:

An der rechten Achse kannst Du ablesen, wie viel US-Dollar Du im Zeitverlauf für einen Euro bekommen hast. Schauen wir uns hier wieder die letzten 3 Monate an, sehen wir ein Plus von 7,29 Prozent. Das Plus entspricht in etwa der unterschiedlichen Wertentwicklung der beiden ETFs.

In Dollar gehandelte Aktien im Allgemeinen und US-amerikanische Werte im Speziellen haben ein großes Gewicht in einem ausgewogenen „Weltportfolio“. Damit ist klar, dass global agierende Anleger, die im Euroraum ansässig sind, bei einer Euroaufwertung gegenüber dem Dollar einen schweren Stand haben.

Die aktuell schwachen Renditen in unseren Portfolios sind damit erklärt, doch welche Schlüsse können wir daraus ziehen? Auf drei Erkenntnisse möchte ich näher eingehen:

 

I. Ein Weltportfolio arbeitet wie ein Uhrwerk

Die Kursrückgänge der letzten Monate sind ein Sturm im Wasserglas und sollten nicht dazu führen, ein global diversifiziertes Portfolio in Frage zu stellen oder nach einer Währungskursabsicherung zu rufen.

Vielmehr ist aktuell zu beobachten, wie gut ein durchdachtes Weltportfolio arbeitet.

So hat der Amundi ETF MSCI Emerging Markets UCITS ETF EUR in den letzten 3 Monaten knapp 5 Prozent gewonnen und die Verluste im Gesamtportfolio abgefedert:

Wertentwicklung und die Auswirkung auf Wechselkursschwankungen: Amundi ETF MSCI Emerging Markets UCITS ETF - EUR Acc

Kurzlaufende Anleihen hoher Bonität (falls vorhanden) haben das Portfolio weiter stabilisiert. Die zweite Erkenntnis ist:

 

II. Wechselkursabsicherungen im risikobehafteten Portfolioanteil machen keinen Sinn

Eine Währungsabsicherung macht im risikobehafteten Portfolioanteil keinen Sinn. Die Devisenmärkte sind die effizientesten überhaupt und die Wechselkurse unter Berücksichtigung der Inflation langfristig überraschend konstant. Die erwartete Rendite aus Währungskursänderungen ist Null (>>Kaufkraftparitätentheorie<<).

Die Kosten von Wechselkursabsicherungen hingegen sind größer als Null und schmälern die Rendite. Hinzu kommt, dass Wechselkurse sich mal in die eine und dann wieder in die andere Richtung bewegen. In einem Jahr profitieren wir und in einem anderen eben nicht. Das wird deutlich, wenn wir uns die Euro-Dollar-Entwicklung der letzten 5 Jahre anschauen. In diesem Zeitraum hat der Euro gegenüber dem Dollar 8,15 Prozent verloren. In diesem Kontext ist die derzeitige Euroaufwertung schlicht eine normale Korrektur …

Langfristige Anleger sollten solchen Schwankungen mit stoischer Gelassenheit entgegentreten. Je nach Marktphase können Wechselkursschwankungen sogar einen positiven Diversifikationseffekt haben.

Die dritte Erkenntnis ist:

 

III. Es ist egal, in welcher Währung ein Fonds aufgelegt ist

Bei oberflächlicher Betrachtung könnten wir vermuten, dass es eine gute Idee gewesen wäre, einen in Dollar aufgelegten ETF zu kaufen. Der Eindruck täuscht. Ein in Dollar laufender ETF hätte im Depot zwar schöner ausgesehen, die Verluste hätten wir bei einem Verkauf trotzdem gehabt …

Denn bei einem Verkauf wären unsere in Dollar laufenden Anteile in Euro umgerechnet worden. Es ist also völlig egal, in welcher Währung wir einen Fonds oder ETF kaufen, dass Ergebnis ist dasselbe.

 

Resümee

Die letzten Monate zeigen, wie hervorragend die Bestandteile eines global diversifizierten Portfolios ineinandergreifen.

Die relative Stärke des Euros gegenüber dem Dollar wurde von den positiven Renditen der globalen Aktienmärkte und von den anderen vertretenen Währungen im Portfolio abgefedert. Risikoarme Anleihen haben ihr Übriges getan, um die Schwankungen abzufedern.

 

Autor:

Christoph Geiler
Versicherungsberater & Honorar-Finanzanlagenberater

 

Disclaimer:

Der Text stellt keine Kaufempfehlung für die angesprochenen Produkte dar. Ich habe sie nur zu Veranschaulichungszwecken genutzt und bin auch nicht selber in die Investmentvehikel investiert.

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Dass wir Deutschen in Geldfragen zu Sicherheit neigen, ist hinlänglich bekannt. Nicht umsonst stehen nach wie vor Anlageformen wie Kapitallebensversicherungen, Sparbücher und Bausparverträge hoch im Kurs.

In Zahlen:

  • 44 Prozent der Deutschen besitzen ein Sparbuch
  • 34 Prozent besitzen eine Lebensversicherung oder private Rentenversicherung
  • 31 Prozent besitzen einen Bausparvertrag
  • 18 Prozent besitzen Festgeld bzw. Termingeld

Quelle: Statista

Das Problem:

Eben jene Anlageformen werden durch die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken scheinbar immer unattraktiver. Der Garantiezins in der Lebensversicherung beträgt aktuell magere 1,25 Prozent. 2017 soll er auf 0,9 Prozent sinken.

Garantiert wird die Verzinsung auf die Sparbeiträge. Die Sparbeiträge sind das, was von Deiner Prämie nach Abzug aller Kosten übrig bleibt.

Die Zinsen der Sparbücher liegen ohnehin am Boden. Das bedeutet, dass es kaum einen Unterschied macht, ob Du Dein Geld unters Kopfkissen packst, oder zur Bank respektive Versicherung bringst.

 

Sicherheit neu denken

Die Garantieverzinsung in den Beständen der Lebensversicherer liegt im Durchschnitt bei etwa 3 Prozent. Dabei sind sie gesetzlich verpflichtet, einen Großteil ihrer Anlagen in „sichere“ Staatsanleihen zu tätigen. Selbst bei positivster Auslegung sind damit nur noch rund 1 Prozent Zinsen pro Jahr zu erwirtschaften. Um zu erkennen, dass zwischen 3 Prozent und 1 Prozent eine erhebliche Lücke klafft, bedarf es keiner besonderen Fähigkeiten.

Die Lebensversicherer haben ein Problem. Die garantierte Verzinsung über alle Bestände hinweg, übersteigt die am Markt zu erwirtschaftenden Zinsen bei weitem.

Was bedeutet also Sicherheit? Ist es sicher, sein Geld Geschäftsmodellen anzuvertrauen, deren Tragfähigkeit fragwürdig erscheint? Oder ist es sicherer, sein Geld in Produktivkapital zu investieren, über das man jederzeit verfügen kann? Fragen, über die es lohnt, nachzudenken.

 

Was ist die Konsequenz?

Sparanlagen verzinsen sich nicht mehr. Soweit so gut, aber was ist die Schlussfolgerung?

Drei mögliche Wege gibt es:

1. Du reduzierst Deine Sparbemühungen
2. Du erhöhst Deine Sparbemühungen
3. Du denkst über Alternativen nach

Weg 1 bedeutet Resignation. Er garantiert Dir, dass Du keinen Erfolg bei Deinem Vermögensaufbau haben wirst und macht Dich spätestens im Alter abhängig vom Sozialstaat.

Und Weg 2? Wenn Du einfach mehr sparst, vergibst Du eine riesige Chance. Die Chance, Dein bisheriges Anlageverhalten von Grund auf zu überdenken – aber zumindest gibt er Dir die Möglichkeit, allen Widrigkeiten zum Trotz erfolgreich Vermögen aufzubauen.

Weg 3 – über Alternativen nachzudenken – ist der attraktivste.  Sparbücher, Lebensversicherungen und Bausparverträge waren noch nie geeignet, um sinnvoll Geld anzulegen.

Bisher haben wir nur über nominelle Zinsen gesprochen. Uns interessieren aber die Realzinsen – also das, was nach Abzug der Inflation übrigbleibt. Das Zinsniveau orientiert sich seit jeher zu einem Großteil an der Inflationsrate. Es gilt:

  • Hohe Inflation = hohe Zinsen
  • Niedrige Inflation = niedrige Zinsen

Bei einer Inflationsrate von aktuell nahe Null ist es kaum verwunderlich, dass sich auch die Zinsen in diesem Bereich bewegen. Was in der Tat außergewöhnlich ist, sind Negativzinsen, welche es derzeit auf einige Staatsanleihen gibt.

Ein Sparbuch, das bei einer Inflationsrate von 0 Prozent 0 Prozent Zinsen verspricht, ist ebenso (un)attraktiv, wie ein Sparbuch, das bei 3 Prozent Inflation 3 Prozent Zinsen verspricht.

 

Die Alternativen

Ohne Produktivkapital ist effektive Vermögensbildung nicht möglich.

Wohlstand entsteht, weil Menschen Tag für Tag arbeiten gehen und Mehrwert schaffen. Rohstoffe werden dem Boden abgetrotzt und weiterverarbeitet. Aus einfachem Eisen entstehen Werkzeuge. Mit Werkzeugen werden Autos und Häuser gebaut oder Nahrung angebaut und geerntet. An all diesen Wertschöpfungsketten kannst Du über Aktien teilhaben.

Investiere dabei nicht Dein gesamtes Kapital in Aktien. Ruhiger Schlaf ist wichtiger, als maximale Rendite. Anleihen, Festgeld, Tagesgeld und Bargeld können als Risikopuffer dienen. Immobilien gestalten Deinen Vermögensmix noch robuster, wenn Du dabei einige Stolpersteine beachtest.

 

 

Versicherungen meist nur zweite Wahl

Du kannst auch innerhalb eines Versicherungsmantels in Aktien und Immobilien investieren. Basis-Rente, Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge locken mit Steuervorteilen. Hier ist Vorsicht geboten, wie ich in meinem Artikel Wie Dich die Beitragsgarantie in Riester und Co. finanziell ruiniert gezeigt habe. Vermeintliche Steuervorteile können blind für die Nachteile eines Produktes machen.

Als Faustregel kann man sagen:

Ein Vertrag sollte sich auch ohne Steuervorteile einigermaßen lohnen.

Resümee

Du hast verschiedene Möglichkeiten, auf die Niedrigzinsphase zu reagieren. Die schlechteste ist, den Kopf in den Sand zu stecken. Besser ist, Du nimmst die widrigen Umstände zum Anlass, Deine Anlagestrategie von Grund auf zu überdenken.

Produktivkapital wie Aktien und Immobilien sind seit jeher attraktiver als Lebensversicherungen und Bausparverträge. Wenn Du dann noch darauf achtest, Dich auf einem Risikoniveau zu bewegen, welches Dich ruhig schlafen lässt, hast Du den Grundstein für einen erfolgreichen Vermögensaufbau gelegt.

Dein Finanzberater
Christoph Geiler

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